Was tun, wenn die Kindergarteneingewöhnung nicht klappt?
Vier Wochen Eingewöhnung sind vorbei, aber das Kind weint noch immer beim Abschied, möchte morgens nicht in den Kindergarten oder lässt sich dort kaum beruhigen. Was können Eltern tun, wenn die Eingewöhnung nicht nach Plan verläuft? Warum die Bedürfnisse des Kindes, die Zusammenarbeit mit den Pädagog*innen und auch die eigenen Gefühle dabei eine wichtige Rolle spielen – und weshalb manchmal ein Neustart die richtige Lösung sein kann, das erfahrt Ihr in diesem Blogbeitrag.

Vier Wochen Eingewöhnung – und jetzt?
Anfang September beginnt in vielen Krippen und Kindergärten die Eingewöhnung der neuen Kinder. Je nach Eingewöhnungsmodell sind dafür zwei bis sechs Wochen vorgesehen. In vielen Einrichtungen sind es vier Wochen. Das bedeutet, dass jetzt bereits viele Kinder die vorgesehene Zeit ohne ihre Eltern im Kindergarten verbringen sollen.
Wenn man die Beschreibungen der verschiedenen Eingewöhnungsmodelle liest, klingen vier Wochen zunächst nach einer Menge Zeit. Dabei darf man aber eines nicht vergessen: Es handelt sich um Richtwerte, die sich nicht ohne Weiteres auf jedes einzelne Kind übertragen lassen.
Schon allein die Altersspanne ist enorm. Manche Kinder kommen bereits mit neun Monaten in die Krippe, andere erst mit dreieinhalb oder fast vier Jahren in den Kindergarten. Dass ein einjähriges Kind ganz andere Bedürfnisse und Fähigkeiten hat als ein vierjähriges, liegt auf der Hand.
Aber selbst innerhalb derselben Altersgruppe sind die Unterschiede groß. Manche Kinder bleiben schon nach drei Tagen problemlos bis zum frühen Nachmittag im Kindergarten. Andere sind am Wochenende traurig, weil sie ihre Freund*innen vermissen. Und dann gibt es Kinder, die auch in der vierten Woche noch weinen, sobald Mama oder Papa in die Garderobe gehen.
Wenn sich ein Kind nach dem Abschied rasch beruhigen lässt, ist das zunächst einmal ein gutes Zeichen. Aber was, wenn es sich nicht beruhigen lässt? Wenn es schon zu Hause weint, weil es nicht in den Kindergarten möchte? Oder wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind mit der Situation völlig überfordert ist?
Spätestens dann braucht es ein genaueres Hinschauen.
Sicherheit ist die Grundlage einer gelungenen Eingewöhnung
Je nach Größe und Organisation der Einrichtung kommt es bei Schwierigkeiten zu einem Krisengespräch, manchmal auch unter Einbeziehung der Kindergartenpsychologin, sofern es eine gibt. Leider ist die Flexibilität vieler Einrichtungen bei der Verlängerung der Eingewöhnungszeit begrenzt.
Das ist einerseits nachvollziehbar. Irgendwann soll schließlich der Kindergartenalltag beginnen, ohne dass ständig Eltern anwesend sind. Andererseits können Kinder erheblich unter einer Eingewöhnung leiden, die nicht zu ihren Bedürfnissen passt. Gerade bei sehr kleinen Kindern sollte man deshalb genau hinschauen.
Wer mehr zu den Folgen einer "harten Ablösung" lesen möchte, findet dazu Informationen auf der Website Sichere Bindung – Übergänge. Dort kann man auch mehr zur gelungenen Ablösung und zur sanften Eingewöhnung erfahren.
Für mich ist Sicherheit das zentrale Thema bei der Eingewöhnung. Ich orientiere mich hier unter anderem am Eisbergmodell von Katja Saalfrank, in dem Sicherheit die Basis der emotionalen Grundbedürfnisse bildet. Erst auf dieser Grundlage können weitere Bedürfnisse wie Verbindung und Selbstbestimmung gut gelebt werden.
Kinder müssen im Kindergarten erst Vertrauen zu ihren neuen Bezugspersonen aufbauen. Diese Bindung entsteht nicht auf Knopfdruck, sondern entwickelt sich langsam.
Was ich allerdings erst während der Eingewöhnung meiner eigenen Tochter wirklich verstanden habe: Nicht nur die Kinder brauchen Sicherheit, sondern auch die Eltern.
Immerhin geben wir das Wertvollste, das wir haben, in die Obhut anderer Menschen. Gerade bei sehr kleinen Kindern, die noch kaum oder gar nicht erzählen können, was sie tagsüber erleben, ist das ein enormer Vertrauensvorschuss.
Wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind gut aufgehoben ist, können sie ihm diese Sicherheit auch vermitteln. Wenn sie sich hingegen selbst unwohl fühlen, ständig Sorgen haben oder das Gefühl bekommen, mit ihren Fragen lästig zu sein, wird die Situation deutlich schwieriger.
Ich lese immer wieder von Müttern, die sich von der Kindergartenleitung nicht ernst genommen fühlen oder den Eindruck haben, selbst das Problem zu sein. Diese Erfahrung habe ich ebenfalls gemacht.
Dabei haben Pädagoginnen nicht nur den Kindern gegenüber eine Verantwortung. Auch die Eltern müssen während der Eingewöhnung gut begleitet werden. Sie sind keine Störfaktoren, sondern wichtige Partnerinnen.
Was können Eltern tun, wenn die Eingewöhnung schwierig bleibt?
Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Eingewöhnung zu erleichtern. Nicht jeder Tipp passt zu jeder Familie (und natürlich ist das keine erschöpfende Liste). Entscheidend ist, genau hinzuschauen, was das eigene Kind braucht und welche Möglichkeiten es im jeweiligen Kindergarten und im Familienalltag gibt.
1. Das Gespräch mit den Pädagog*innen suchen
Der erste Schritt sollte immer ein ausführliches Gespräch mit den Pädagog*innen, idealerweise der Bezugspädagogin, dem Bezugspädagogen, sein. Dabei würde ich nicht nur darauf achten, welche Lösungen angeboten werden, sondern auch darauf, wie über mein Kind gesprochen wird.
Wird es als „schwierig“ beschrieben oder können die Pädagog*innen sein Verhalten empathisch begleiten? Wird sein Weinen ernst genommen oder mit Aussagen wie „Kinder weinen eben“ abgetan? Habe ich als Elternteil das Gefühl, mit meinen Sorgen willkommen zu sein, oder werde ich selbst als schwierig wahrgenommen?
Wichtig ist auch, einige ganz konkrete Fragen zu klären:
Gibt es eine feste Bezugsperson, zu der mein Kind bereits Vertrauen aufbauen konnte?
Wie verhält sich mein Kind, nachdem ich gegangen bin? Lässt es sich trösten und findet es anschließend ins Spiel?
Besteht die Möglichkeit, die Eingewöhnungszeit zu verlängern oder den Ablauf an die Bedürfnisse meines Kindes anzupassen?
Welche Ideen haben die Pädagog*innen selbst, um meinem Kind mehr Sicherheit zu geben?
Wenn ich als Elternteil das Gefühl habe, dass mein Kind gesehen und gut begleitet wird und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, dann ist es sinnvoll dranzubleiben. Wenn hingegen die Bedürfnisse des Kindes dauerhaft übergangen werden und auch Gespräche nichts verändern, sollte man überlegen, ob die Einrichtung wirklich die richtige ist.
Wichtig ist hier, auf das eigene Gefühl zu vertrauen. Wir lassen uns gerne von versiertem Fachpersonal einschüchtern. Und keine Frage, die betreuenden Pädagog*innen haben viel Erfahrung. Wir Eltern sind jedoch Expert*innen für unsere Kinder. Wir können meistens recht gut spüren, ob eine Umgebung unserem Kind guttut oder nicht.
Ich selbst brauchte die Unterstützung meines Mannes und meiner Mutter um meinem eigenen Gefühl Glauben zu schenken - nämlich dass die Einrichtung, in der unser Kind die nächsten Jahre seines Lebens verbringen sollte, überhaupt nicht zu ihren Bedürfnissen passte und auch generell eher fragwürdig im Umgang mit vielen Themen war. Meinem vergangenen Ich würde ich gerne sagen: "Vertrau' auf dein Gefühl!"
2. Den Abschied vorhersehbar machen
Gerade wenn die Trennung schwierig ist, kann ein möglichst gleichbleibender Ablauf Sicherheit geben. Das beginnt eigentlich schon zu Hause.
Während einer herausfordernden Eingewöhnung würde ich morgens lieber etwas mehr Zeit einplanen, damit nicht schon der Weg in den Kindergarten von Zeitdruck, Stress und Hektik geprägt ist. Hunger und Müdigkeit können zusätzlich dazu beitragen, dass ein ohnehin schwieriger Übergang noch schwerer wird.
Auch im Kindergarten selbst kann ein kleines Abschiedsritual helfen: Jacke ausziehen, Hausschuhe anziehen, vielleicht noch gemeinsam ein Buch anschauen, eine Umarmung, ein bestimmter Satz und dann die Verabschiedung.
Ganz essentiell ist dabei vor allem, dass Eltern nicht heimlich verschwinden. Ein Kind sollte erleben dürfen: Mama oder Papa geht – und kommt auch wieder.
Gleichzeitig hilft es meist nicht, den Abschied immer weiter hinauszuzögern oder nach einer bereits ausgesprochenen Verabschiedung noch mehrmals zurückzukommen. Ein kurzer, liebevoller und möglichst vorhersehbarer Abschied gibt vielen Kindern mehr Orientierung.
3. Etwas Vertrautes von zu Hause mitgeben
Manchmal kann ein vertrauter Gegenstand eine kleine Brücke zwischen zu Hause und Kindergarten sein: das Lieblingskuscheltier, ein Schmusetuch, ein kleines Foto der Familie oder etwas anderes, das dem Kind Sicherheit vermittelt – natürlich sofern das im jeweiligen Kindergarten möglich ist.
Gerade für kleine Kinder kann etwas Vertrautes helfen, wenn Mama oder Papa gerade nicht da sind.
Auch zu Hause kann man den Kindergarten berechenbarer machen. Nicht indem man ständig davon erzählt, wie „toll“ es dort sein wird, sondern indem man möglichst konkret beschreibt, was passieren wird: „Wir gehen gemeinsam hinein. Du ziehst deine Hausschuhe an. Dann verabschiede ich mich von dir. Du bleibst bei deiner Pädagogin und nach dem Mittagessen komme ich wieder und hole dich ab.“
Je besser ein kleines Kind ungefähr weiß, was als Nächstes passiert, desto weniger unbekannt ist die Situation..
4. Dem Kind mehr Zeit geben und die Betreuungstage langsam verlängern
Nicht jedes Kind schafft es nach vier Wochen, einen ganzen Vormittag oder sogar einen langen Kindergartentag zu bewältigen.
Gerade kleinere Kinder können mit den vielen neuen Eindrücken, Menschen, Geräuschen und Abläufen rasch überfordert sein. Manchmal hilft es, die Betreuungszeit über einen längeren Zeitraum bewusst kurz zu halten und erst nach und nach auszudehnen.
Bei meiner Tochter haben wir das genau so gemacht. Sie wurde viele Wochen lang vor dem Mittagessen abgeholt. Danach blieb sie eine Zeit lang bis unmittelbar nach dem Essen. Erst ungefähr ein halbes Jahr später, rund um ihren vierten Geburtstag, holte ich sie schließlich um 15 Uhr ab.
Ein halbes Jahr klingt natürlich sehr lang, insbesondere wenn beide Eltern berufstätig sind. Trotzdem kann es sich lohnen, nach Möglichkeiten zu suchen, diese Zeit zu überbrücken und so viel Unterstützung von außen zu organisieren wie möglich.
Mir ist bewusst, dass das nicht für jede Familie machbar ist. Manchmal muss die Betreuung schlicht funktionieren, weil es beruflich oder finanziell keine Alternative gibt. Umso wichtiger ist es dann, gemeinsam mit der Einrichtung nach Lösungen zu suchen, die sowohl dem Kind als auch den Möglichkeiten der Familie gerecht werden.
5. Während der Eingewöhnung möglichst keine weiteren großen Veränderungen
Eine Kindergarteneingewöhnung ist für ein kleines Kind eine enorme Herausforderung. Es muss sich an neue Menschen, neue Räume, andere Tagesabläufe und die Trennung von seinen wichtigsten Bezugspersonen gewöhnen.
Deshalb würde ich empfehlen, während dieser Zeit möglichst viel Vertrautes beizubehalten.
Und hier möchte ich einen Punkt ganz bewusst deutlich formulieren: Ein Kind muss für den Kindergarten nicht abgestillt werden.
Leider wird Eltern immer wieder vermittelt, Stillen könne die Eingewöhnung erschweren oder ein Kind müsse vor dem Kindergartenstart abgestillt werden. Gerade während einer ohnehin großen Veränderung würde ich jedoch nicht zusätzlich eine wichtige Quelle von Nähe, Regulation und Sicherheit wegnehmen, nur weil die Betreuung beginnt.
Natürlich ist es etwas anderes, wenn eine Mutter aus persönlichen, gesundheitlichen oder anderen Gründen ohnehin abstillen möchte oder muss. Wenn der Zeitpunkt frei gewählt werden kann, halte ich die Eingewöhnungsphase jedoch für einen ausgesprochen ungünstigen Moment dafür.
Dasselbe gilt für andere große Veränderungen. Auch den Wechsel vom Familienbett ins eigene Zimmer würde ich nicht gerade jetzt forcieren, nur weil das Kind „jetzt schon groß“ ist. Wenn ein Umzug bevorsteht und zeitlich verschiebbar ist, würde ich nach Möglichkeit warten, bis das Kind im Kindergarten angekommen ist.
Besonders herausfordernd kann es sein, wenn gerade ein Geschwisterkind geboren wurde. Dann verändert sich ohnehin schon sehr viel im Leben des Kindes. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Eingewöhnung zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Versuch zu starten.
Natürlich lassen sich nicht alle Veränderungen planen oder vermeiden. Aber wenn wir beeinflussen können, wann sie stattfinden, würde ich versuchen, sie nicht alle auf einmal auf das Kind zukommen zu lassen.
6. Überforderung und Reizüberflutung erkennen
Manche Kinder tun sich nicht nur mit der Trennung schwer, sondern auch mit den vielen Reizen, denen sie im Kindergarten ausgesetzt sind.
Gerade sensible Kinder können durch Lärm, große Gruppen und die vielen sozialen Anforderungen rasch an ihre Grenzen kommen.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Gibt es im Kindergarten Rückzugsmöglichkeiten? Sind diese Bereiche tatsächlich ruhig? Darf sich das Kind zurückziehen, wenn es eine Pause braucht? Und erkennen die Pädagog*innen, wann es ihm zu viel wird?
Eltern kennen ihr Kind meistens sehr gut und haben oft bereits eine Vorstellung davon, wie empfindlich es auf Lärm, Trubel oder viele Menschen reagiert. Diese Beobachtungen sollten sie unbedingt mit den Pädagog*innen teilen.
Auch zu Hause würde ich während einer schwierigen Eingewöhnung bewusst auf zusätzliche aufregende Aktivitäten verzichten. Statt eines vollen Nachmittagsprogramms lieber gemeinsam zu Hause sein oder in Ruhe auf den Spielplatz gehen. Viel Struktur und Berechenbarkeit geben die Sicherheit, die das unruhige Nervensystem braucht.
7. Das Kindergartenkonzept hinterfragen
Nicht jedes pädagogische Konzept passt zu jedem Kind.
In manchen Kindergärten gibt es offene Konzepte, bei denen die Kinder selbst entscheiden können, in welchen Gruppen und Räumen sie sich aufhalten möchten. Für manche Kinder ist diese Freiheit wunderbar. Andere, insbesondere sehr kleine Kinder, können davon überfordert sein.
Eine kleinere, überschaubare Gruppe mit festen Bezugspersonen und klaren Abläufen kann ihnen mehr Sicherheit geben.
Es lohnt sich deshalb, nicht nur den Kindergarten an sich, sondern auch sein pädagogisches Konzept zu hinterfragen. Für sehr kleine Kinder könnte beispielsweise auch eine Tagesmutter beziehungsweise ein Tagesvater eine gute Alternative sein.
8. Eine andere Bezugsperson zur Eingewöhnung schicken
Wenn die Eingewöhnung bereits über längere Zeit schwierig verläuft, sind häufig auch die Eltern angespannt. Vielleicht beginnt jeder Morgen mit der Sorge, dass es wieder nicht funktionieren wird.
Diese Anspannung kann sich auf das Kind übertragen.
Manchmal hilft es deshalb, wenn eine andere vertraute Bezugsperson die Eingewöhnung übernimmt. Vielleicht kann der Papa, die Oma oder der Opa das Kind einige Tage begleiten.
Eine solche Veränderung kann helfen, aus einer bereits belastenden Situation herauszukommen und einen neuen Zugang zu finden.
9. Dem Kind gelegentlich einen Urlaubstag ermöglichen
Mit meiner Tochter hatte ich später eine Vereinbarung: Wenn es bei mir möglich war, durfte sie sich gelegentlich einen „Urlaubstag“ vom Kindergarten nehmen.
Sie war damals ungefähr zweieinhalb Jahre alt und wir konnten schon gut miteinander darüber sprechen. Bei kleineren Kindern funktioniert eine solche Vereinbarung natürlich noch nicht auf dieselbe Weise.
Manche Eltern haben Sorge, dass ihr Kind dann ständig zu Hause bleiben möchte. Diese Erfahrung habe ich persönlich allerdings nicht gemacht. Ich kenne auch andere Familien, bei denen das gut funktioniert hat.
Für meine Tochter war es wichtig zu wissen, dass sie nicht jeden Tag in den Kindergarten gehen musste, ganz unabhängig davon, wie sie sich fühlte. Sie hatte dadurch ein kleines Stück Mitbestimmung.
Voraussetzung ist natürlich, dass sich solche freien Tage mit dem Familienalltag vereinbaren lassen.
10. Die eigene Geschichte und die eigenen Erwartungen hinterfragen
Dieser Punkt ist mir besonders wichtig, weil ich selbst erst im Laufe unserer Eingewöhnung verstanden habe, wie sehr meine eigenen Gefühle eine Rolle spielten.
Wie habe ich meine eigene Kindergartenzeit erlebt? War sie schön oder belastend? Welche Vorstellungen habe ich davon, wie eine gelungene Eingewöhnung aussehen sollte? Und was löst es in mir aus, wenn mein Kind beim Abschied weint?
Ich hatte anfangs den Anspruch, dass meine Tochter nicht weinen sollte, wenn ich gehe.
Heute weiß ich, dass diese Erwartung unrealistisch war.
Meine Tochter war traurig, wenn ich sie im Kindergarten zurückließ. Sie hatte einen starken Trennungsschmerz. Das bedeutete aber nicht automatisch, dass es ihr dort schlecht ging.
Viel wichtiger war die Frage, ob sie sich von den Pädagog*innen trösten ließ, ob sie eine gute Beziehung zu ihnen aufgebaut hatte und ob sie anschließend spielen, lachen und ihren Kindergartentag genießen konnte.
Bei uns kam der entscheidende Wendepunkt, als ich ihr erlaubt habe, traurig zu sein, und mir selbst erlaubt habe, trotzdem zu gehen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits großes Vertrauen zu den Pädagog*innen aufgebaut. Wir standen in engem Austausch und sie schickten mir nach dem Abschied eine SMS und ein Foto, sobald sich meine Tochter beruhigt hatte. Meistens war das nach ungefähr zehn Minuten der Fall.
Nachdem ich meine Erwartungen verändert hatte, weinte sie beim Abschied nach nur drei Tagen überhaupt nicht mehr.
Dabei war sie keineswegs eines jener Kinder, die zwar äußerlich ruhig wirken, innerlich aber weiterhin unter großem Stress stehen. Sie war guter Dinge, spielte und lachte.
Trotzdem war sie immer froh, wenn sie wieder zu Hause war. Während ihrer gesamten Kindergartenzeit wäre sie im Zweifelsfall lieber bei mir geblieben. Nicht, weil sie den Kindergarten nicht mochte oder dort keine Freund*innen hatte, sondern einfach, weil sie gerne bei mir war.
Auch solche Kinder gibt es. Und auch das darf sein.
11. Sich selbst Unterstützung holen
Mir persönlich hat es sehr geholfen, während unserer schwierigen Eingewöhnungsphase eine Elternberatung in Anspruch zu nehmen.
Im ersten Kindergarten hatte ich zunehmend das Gefühl, als schwierige Mutter wahrgenommen zu werden. Das löste bei mir Zweifel und Schuldgefühle aus, die ich auch in den zweiten Kindergarten mitnahm. Dort habe ich diese Erfahrungen von Anfang an offen angesprochen.
Durch die Beratung wurde mir klar, dass hinter meinen Schwierigkeiten noch etwas anderes steckte: Ich hatte Schuldgefühle, weil ich meine Tochter in eine Fremdbetreuung gab, obwohl ich sie theoretisch auch zu Hause hätte betreuen können.
Gleichzeitig brauchte ich diese Zeit aber für mich.
Erst als ich mir selbst zugestehen konnte, dass ich meine Tochter im Kindergarten lassen durfte, und ihr gleichzeitig erlaubte, darüber traurig zu sein, konnte unsere Eingewöhnung wirklich gelingen.
Manchmal sind es also nicht nur die äußeren Rahmenbedingungen, die wir verändern müssen. Es kann auch hilfreich sein, sich mit den eigenen Erfahrungen, Ängsten und Erwartungen auseinanderzusetzen.
12. Einen Wechsel oder eine Pause in Betracht ziehen
Manchmal passt es trotz aller Bemühungen einfach nicht.
Wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind nicht ausreichend begleitet wird, seine Bedürfnisse nicht ernst genommen werden und sich auch durch Gespräche nichts verändert, kann ein Kindergartenwechsel sinnvoll sein.
Auch eine Pause und ein späterer Neustart können eine gute Lösung sein.
Das Kind lernt dadurch nicht, dass es nur lange genug weinen muss, um seinen Willen durchzusetzen. Es erlebt vielmehr, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden und seine Eltern versuchen, eine passende Lösung zu finden.
Natürlich ist ein Wechsel nicht immer einfach. Vielleicht gibt es keinen freien Platz, die berufliche Situation lässt keine längere Pause zu oder es fehlen die finanziellen Möglichkeiten.
Allerdings habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass manchmal mehr möglich ist, als man zunächst denkt.
Nach unserem Fehlstart im September haben wir im November einen neuen Versuch in einem anderen Kindergarten gestartet. Dazwischen habe ich ungefähr 15 Kindergärten angeschaut – diesmal allerdings mit ganz anderen Augen.
Bei meiner ersten Suche waren mir noch Dinge wie die Größe des Gartens oder die Frische des Essens besonders wichtig gewesen. Beim zweiten Mal achtete ich vor allem darauf, wie die Pädagog*innen mit den Kindern umgingen und wie flexibel die Einrichtung bei der Eingewöhnung war.
Das machte für uns einen entscheidenden Unterschied.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg
Eine gelungene Eingewöhnung bedeutet nicht, dass ein Kind nach einer bestimmten Anzahl von Tagen problemlos im Kindergarten bleibt. Und sie bedeutet auch nicht unbedingt, dass es beim Abschied niemals weint.
Entscheidend ist, dass das Kind Sicherheit entwickeln kann, eine vertrauensvolle Beziehung zu seinen neuen Bezugspersonen aufbaut und sich im Kindergarten zunehmend wohlfühlt.
Manchmal braucht es dafür einfach mehr Zeit. Manchmal müssen die Betreuungszeiten angepasst werden. Und manchmal ist ein anderer Kindergarten oder eine andere Betreuungsform die bessere Lösung.
Wichtig ist mir, dass Eltern ihre Sorgen ernst nehmen dürfen und mit diesen nicht allein gelassen werden. Nicht jede Schwierigkeit bedeutet, dass die Eingewöhnung gescheitert ist. Aber auch nicht jede Schwierigkeit muss einfach ausgehalten werden.
Wenn wir die Bedürfnisse unserer Kinder ernst nehmen und gleichzeitig unsere eigenen Möglichkeiten und Grenzen im Blick behalten, lassen sich oft Wege finden, die für die ganze Familie passen.
Wenn du dir Unterstützung wünschst
Vielleicht steckst du gerade mitten in einer schwierigen Eingewöhnung, bist unsicher, ob du deinem Kind noch mehr Zeit geben solltest, oder fragst dich, ob ein Kindergartenwechsel sinnvoll wäre. Vielleicht merkst du auch, dass die Situation bei dir selbst Gefühle auslöst, die du gerne besser verstehen möchtest.
Ich kenne diese Fragen aus eigener Erfahrung. Auch deshalb liegt mir die bindungs- und beziehungsorientierte Elternberatung besonders am Herzen.
Wenn du über deine Sorgen sprechen, deine Situation sortieren oder gemeinsam nach Lösungen suchen möchtest, melde dich gerne bei mir. In meiner Praxis oder online nehmen wir uns Zeit, um herauszufinden, was du und dein Kind gerade brauchen.




Kommentare