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Wenn unsere Kinder weitergehen, müssen auch wir Eltern loslassen

Autorenbild: Barbara Pramböck
Barbara Pramböck
vor 3 Minuten
5 Min. Lesezeit

Wenn unsere Kinder einen großen Übergang gut meistern, sind wir vor allem erleichtert. Doch manchmal kommen die eigenen Gefühle erst dann, wenn wieder Ruhe einkehrt. Warum auch wir Eltern Zeit für Abschied und Neubeginn brauchen – und weshalb die Herbst-Tagundnachtgleiche gerade so gut dazu passt.


Kinder auf dem Weg ins Schulhaus und in noch mehr Selbstständigkeit
Kinder auf dem Weg ins Schulhaus und in noch mehr Selbstständigkeit

Es ist jetzt die dritte Schulwoche. Seit drei Wochen ist meine Tochter im Gymnasium und langsam wird es ruhiger. Die Kennenlerntage sind vorbei, alle (hoffentlich!) nötigen Utensilien für den Unterricht sind besorgt und es gibt einen Stundenplan.


Mit der Ruhe, die jetzt einkehrt, spüre ich plötzlich eine leise Traurigkeit in mir. Nicht schlimm und eigentlich leicht zu übergehen. Sie war bisher überdeckt vom intensiven Sommer und dem anstrengenden Schulstart. Wenn ich jetzt an der Volksschule vorbeifahre und Eltern dort stehen sehe, die ihre Kinder abholen, kommen mir manchmal die Tränen.


Zuerst hat mich das irritiert.


Der Gymnasiumstart ging schließlich so reibungslos, wie er nur hätte gehen können. Eine angenehme Abwechslung zur Kindergarten- und Volksschuleingewöhnung. Mein Kind ist gut in der neuen Schule angekommen. Die Volksschulzeit war insgesamt schön und wir hatten einen guten Abschluss. Meine Tochter hat den Übergang gut gemeistert, auch wenn es natürlich Ups and Downs gab und gibt.


Warum bin ich jetzt also nicht einfach nur erleichtert und froh?


Doch dann habe ich verstanden: Ich war so darauf konzentriert, dass mein Kind diesen Abschluss und Neubeginn gut meistert – und darauf, sie dabei gut zu begleiten –, dass ich mich selbst ein bisschen vergessen habe.


Denn auch für mich als Mama geht eine Ära zu Ende.


Mein Kind ist kein „kleines“ Volksschulkind mehr. Die Beziehungen zu anderen Eltern, die sich über vier Jahre entwickelt haben, werden sich verändern oder vielleicht auch auflösen. Im Gymnasium kennen sich viele Eltern kaum noch, weil die Kinder selbstständiger werden und vieles zunehmend alleine machen.


Auch für mich ist es also ein Abschied und ein Übergang. Und der ist eben bitter-sweet.


Wir Eltern dürfen ebenfalls traurig sein. Wir dürfen würdigen, dass sich mit den Übergängen unserer Kinder auch unser eigenes Leben verändert. Die zunehmende Selbstständigkeit und Unabhängigkeit unserer Kinder bringt neue Freiheiten mit sich. Gleichzeitig verändert sich die Art der Nähe und Begleitung, die sie von uns brauchen.


Und das darf etwas mit uns machen. Selbst dann, wenn der Übergang ruhig und unaufgeregt verläuft.


Ein Wendepunkt im Jahreskreis


Dieses bitter-süße Gefühl passt für mich sehr gut zur momentanen Zeitqualität. Heute, am 23. September, ist Herbst-Tagundnachtgleiche – der astronomische Beginn des Herbstes.


Der Begriff „Equinox“ kommt aus dem Lateinischen: aequus bedeutet „gleich“, nox bedeutet „Nacht“. Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, überquert die Sonne den Himmelsäquator. Tag und Nacht sind rund um diesen Zeitpunkt annähernd gleich lang.

Danach verschiebt sich das Verhältnis weiter: Auf der Nordhalbkugel werden die Nächte länger und die Tage kürzer. Wir verabschieden uns endgültig vom Sommer und bewegen uns auf die dunklere Hälfte des Jahres zu.


Vielleicht berührt mich dieser Zeitpunkt auch deshalb so. Er steht für etwas, das wir im Leben immer wieder erleben: Etwas geht zu Ende und etwas Neues beginnt. Beides existiert eine Zeit lang nebeneinander. Die Freude über das Neue nimmt die Traurigkeit über das Vergangene nicht weg.


Viele Menschen spüren beim Abschied vom Sommer eine gewisse Wehmut – ganz unabhängig davon, ob gerade ein Schulwechsel oder ein anderer großer Übergang im Leben stattfindet. Das ist normal und zeigt uns, dass etwas Schönes zu Ende geht. Es zeigt auch, dass das Neue vielleicht zunächst noch bedrohlich oder zumindest neu und fremd ist.


Für mich ist diese Zeit deshalb auch eine Einladung, zurückzuschauen.

  • Wofür bin ich dankbar? Was war schön? Was durfte wachsen?

  • Was kann jetzt schon „ernten“ – im eigentlichen oder im übertragenen Sinn?


Und gleichzeitig:

  • Was soll dieses Jahr noch bringen?

  • Welche Projekte möchte ich noch umsetzen?

  • Was möchte ich mitnehmen in die nächsten Monate? Und was darf ich getrost abschreiben, weil es mich nicht mehr weiterbringt oder schlicht nicht mehr in mein Leben passt?


Wir Menschen verstehen unser Leben oft erst in der Rückschau. Indem wir Erlebtes einordnen, Zusammenhänge erkennen und ihm Bedeutung geben, entsteht Sinn. Deshalb spricht für mich viel dafür, Übergänge nicht einfach nur hinter sich zu bringen, sondern sie bewusst wahrzunehmen und zu gestalten.


Die Angst vor dem Unbekannten benennen


Um der Unsicherheit vor dem Neuen entgegenzuwirken, kann es Sinn machen, sich ganz konkret anzuschauen, welche Sorge oder Angst da eigentlich dahinter steht.


Im Fall des Gymnasiumstarts kann das die Angst sein, die Verbindung zu seinem Kind zu verlieren. Auch Angst vor den zahlreichen Bedrohungen durch Handy, Internet, Sucht und Mobbing kann - auch basierend auf eigenen Erfahrungen - sehr viel Unruhe und Sorge hineinbringen.


Wie wahrscheinlich das ist, dass diese konkrete Angst wirklich eintritt und was man im Fall des Falles dagegen tun würde, kann sehr hilfreich sein. Denn Angst lähmt. Je konkreter wir wissen, was uns Angst macht, ob das überhaupt wahrscheinlich ist und ob es wirklich etwas mit unserem Kind oder eher mit uns selbst bzw. mit unseren Vorfahren zu tun hat, desto handlungsfähiger und innerlich ruhiger werden wir wieder.


Wenn alles grundsätzlich gut läuft, können wir das gut für uns selbst tun.


Manchmal ist ein Übergang aber auch schmerzhaft, verwirrend oder schlicht anstrengend. Dann kann eine Begleitung auf Zeit helfen, neue Perspektiven zu finden und die eigenen Ressourcen wieder stärker wahrzunehmen. Besonders, wenn es darum geht, eigene Erfahrungen oder transgenerationale Themen zu integrieren.


Ein Journal unterstützt bei der Ordnung der Gedanken und Gefühle


Beim letzten großen Übergang vom Kindergarten in die Volksschule habe ich mir externe Unterstützung geholt. Für meine Tochter und für mich – wobei ich sie wahrscheinlich notwendiger hatte.


Diesmal gab es keine großen Themen. Zumindest bisher nicht. Vielleicht war genau das einer der Gründe, warum ich mich selbst und meine Gefühle ein bisschen aus den Augen verloren habe.


Ich werde deshalb die neu gewonnene Zeit nutzen, um die Highlights und Lowlights der vergangenen Volksschulzeit in meinem Journal festzuhalten. Ich möchte aufschreiben, wofür ich in diesen vier Jahren dankbar bin und was ich gerne mitnehmen möchte.


Und ich möchte nach vorne schauen: Was möchte ich in diesem Jahr noch umsetzen? Für die Begleitung meiner Tochter – aber auch ganz unabhängig davon für mich?


Wir, meine Tochter und ich, müssen uns beide erst in den neuen Rhythmus eingrooven. Mein Kind als Gymnasiastin. Und ich als Mutter eines Kindes, das wieder ein Stück selbstständiger geworden ist.


Veränderung kann aufregend sein. Sie kann befreiend sein und neue Möglichkeiten eröffnen. Aber sie kann gleichzeitig unbequem sein und ein bisschen wehtun.

Selbst wenn alles so gut läuft, wie es nur laufen kann.


Wie geht es dir mit den Übergängen deines Kindes?


Wenn dein Kind gerade einen großen Schritt macht – Abstillen, Kindergartenstart, Volksschulstart, Schulwechsel oder Gymnasiumstart – und du merkst, dass dieser Übergang auch mit dir etwas macht, musst du damit nicht alleine bleiben.


Ich bin systemische psychosoziale Beraterin sowie bindungs- und beziehungsorientierte Elternberaterin und begleite Eltern dabei, Veränderungen einzuordnen, neue Perspektiven zu entwickeln und ihren eigenen Weg durch diese Übergänge zu finden.


Melde dich gerne bei mir.



 
 
 

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