🌿 Wer bin ich – und wie viele? Wie das innere Team zur Ressource werden kann.
- Barbara Pramböck
- vor 23 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Wir wissen oft, was wir wollen – und werden trotzdem oft innerlich ausgebremst. In diesem Artikel nehme ich dich mit in die Arbeit mit dem inneren Team – und zeige dir, wie verschiedene Stimmen in uns wirken, warum sie oft in Konflikt geraten und wie wir lernen können, sie besser zu verstehen und zu führen. Ich teile auch ganz persönlich, wie ich mein eigenes inneres Team kennengelernt habe – und was sich verändert, wenn wir in Verbindung mit unserem Selbst kommen, unserem inneren Kern, der uns liebevoll durch all diese Stimmen hindurch führen kann.

Kennst du das?
Da gibt es einen Traum, den du verfolgst. Etwas, das dich begeistert. Ein Ziel, von dem du spürst, dass es dir guttun würde.
Und gleichzeitig ist da etwas in dir, das dich zurückhält. Vielleicht sogar sabotiert.
Du hast vielleicht schon viel versucht. Ein Vision Board gemacht. Dir mehr Leichtigkeit gewünscht. Alles mögliche losgelassen. Und trotzdem bleiben Pflichtgefühl, Zweifel oder Angst hartnäckig.
Früher dachte ich: Das ist mein Problem. Ich bin einfach zu widersprüchlich
Heute sehe ich das anders.
👉 In uns wirken viele verschiedene Stimmen. Und genau darin liegt eine große Kraft, auch wenn es teilweise nervig sein kann.
🧩 Das innere Team – ein anderer Blick auf uns selbst
In der systemischen Arbeit schauen wir nicht nur auf den Menschen als Einzelperson, sondern auf die Dynamiken, in die er eingebettet ist – auch die inneren.
Ein sehr hilfreicher Zugang ist dabei das sogenannte innere Team.
Die Idee dahinter ist einfach – und unglaublich wirkungsvoll:
👉 Wir bestehen nicht aus „einem Ich“, sondern aus verschiedenen inneren Anteilen.
Diese Anteile haben, genauso wie Teams im Außen:
eigene Bedürfnisse
eigene Werte
eigene Geschichten
Und sie meinen es alle gut mit uns. Selbst diejenigen, die wir nicht mögen, die destruktiv und abwertend sind oder uns ausbremsen bei den Dingen, die wir uns wünschen.
Wenn wir beginnen, sie wie Mitglieder eines Teams zu betrachten, passiert etwas Entscheidendes:
👉 Wir können uns selbst besser verstehen.
🌪️ Wenn das Team durcheinandergerät
Das Problem ist nämlich nicht, dass diese Anteile da sind.
Sondern dass
manche viel zu laut sind
andere kaum Raum bekommen oder sich versteckt haben
manche erwachsen und manche kindlich sind
und vielleicht niemand wirklich den Überblick hat
Dann entsteht das, was viele kennen:
innere Konflikte
Unzufriedenheit
Aufschieben
das Gefühl, sich selbst im Weg zu stehen
🧭 Mein eigenes inneres Team
Ich habe mir mein inneres Team vor kurzem genauer angeschaut – in Bezug auf die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit, Muttersein, Partnerschaft und Alltag.
Da sind viele innere Stimmen in mir, oft auch gleichzeitig, was zur Folge hat, dass ich total blockiert bin und gefühlt in keinem Bereich etwas weiterbringe.
Die eine sagt: „Du solltest jetzt endlich richtig arbeiten."
Die andere flüstert: „Dein Kind braucht mehr von dir.“
Und wieder eine andere meldet sich mit leiser Sorge: „Was, wenn das alles nicht funktioniert?“
Gemeinsam mit meiner Coachin habe ich diesen Stimmen zugehört und ihnen Namen gegeben. Geschaut, was sie brauchen und was sie stört.
Da war die "gute" Mutter, die auch durch meine Familiengeschichte und das Kollektiv geprägt ist und sagt:
„Das Kind kommt zuerst. Sei nicht egoistisch!“
Die Karrierefrau, in der ich meine Urgroßmutter erkenne, aber auch meinen Vater, die antreibt:
„Von nichts kommt nichts. Du musst mehr Zeit für dein Business aufwenden!“
Eine vertraute Stimme aus meiner familiären Prägung und aus dem Kollektiv:
„Was wenig Geld bringt, ist nichts wert. Du wirst nie genug verdienen mit dem, was du tust. Das wird ein Hobby bleiben.“
Und gleichzeitig die Visionärin, die spürt:
„Ich habe etwas zu geben und kann etwas bewirken.“
Daneben, aber nicht so laut, sind noch die Mama, die eine gute Balance zwischen Beruf, Mutterschaft und Selbstfürsorge vorleben möchte im Sinne von "nur eine glückliche Mutter ist eine gute Mutter".
Die Hausfrau, die auch Raum bekommen will, damit kein Chaos ausbricht.
Die Unabhängige, die frei sein will.
Die Vorsichtige, die absichern möchte.
Die Sensible, die spürt, wann es zu viel wird, aber oft unangenehm bremst.
Und die Kritikerin, die nie ganz zufrieden ist (und hinter der sich vermutlich ein verletztes inneres Kind versteckt).
Und dann – fast leise – noch andere, die Spätmelder sind: die Unbeschwerte, Freudige, die Leichtigkeit und eine kindliche Freude mitbringt, und die Vertrauende, die sagt:
„Es wird alles gut werden!“
Gerade solche Spätmelder sind oft die interessantesten Teile. In meinem Fall waren es Ressourcen, die gerade im Arbeitskontext wenig Raum bekommen haben.
🪑 Wer fehlt eigentlich noch?
Doch das waren immer noch nicht alle. Ganz wichtig war deshalb die Frage:
👉 „Wer sitzt eigentlich noch nicht mit am Tisch?“
Denn: ein wichtiger Teil hat gefehlt:
👉 die Partnerin in mir.
Ich habe vieles allein getragen – auch innerlich. Und wenig Raum für die Partnerschaft eingeräumt neben Arbeit, Mutterschaft und Haushalt.
Das kann bei einer stabilen Beziehung lange Zeit gutgehen, aber richtig gut tut ihr das nicht. Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist mir durch die Arbeit mit dem inneren Team sehr bewusst geworden.
Erst als diese Anteile einen Platz bekommen haben, wurde spürbar:
ich muss nicht alles allein halten
Verantwortung darf (noch mehr) geteilt werden
Beziehung darf Raum bekommen
🧭 Der entscheidende Schritt: Führung aus dem Selbst
Erst im Laufe des Prozesses ist mir klar geworden:
diese Anteile kämpfen nicht gegeneinander, weil sie schwierig sind.
👉 Sie kämpfen, weil einige von ihnen versuchen, die Führung zu übernehmen.
Und jede hat gute Gründe dafür.
Die gute Mutter will schützen. Die Karrierefrau will voranbringen. Die Vorsichtige will absichern.
Daraus entstehen innere Blockaden und Konflikte.
Doch es geht nicht darum, einzelne Stimmen wegzubekommen, sondern sie geordnet miteinander sprechen zu lassen und ihnen Grenzen und Regeln zu geben.
👉 Es braucht eine innere Führung.
Aber nicht irgendeine.
Nicht die nächste „starke Stimme“, die sich einfach gegen die anderen durchsetzt.
Sondern etwas Tieferes.
In der Arbeit mit dem inneren Team sprechen wir vom Selbst.
Das Selbst ist kein weiterer Anteil. Es ist unser Wesenskern.
Ein Teil in uns, der:
ruhig ist
klar ist
liebevoll ist
und nicht verletzt werden kann
👉 Ein innerer Ort, der jenseits von Angst, Druck und Bewertung existiert.
Man kann sich das Selbst ein bisschen vorstellen wie einen liebevollen, inneren Elternteil.
Einen, der:
alle Stimmen hört
niemanden abwertet
und gleichzeitig Orientierung gibt
Wenn wir mit diesem Selbst verbunden sind, dann verändert sich etwas ganz Grundlegendes:
Die gute Mutter darf da sein – ohne alles zu bestimmen. Die Karrierefrau bekommt Raum – ohne zu überrollen. Die ängstlichen und kritischen Stimmen werden gehört – ohne die Führung zu übernehmen.
Und wir selbst kommen in eine andere Haltung:
„Ich sehe euch alle. Ich verstehe euch. Und ich entscheide aus meiner Mitte heraus.“
Diese Form von Führung fühlt sich anders an.
Nicht hart. Nicht kontrollierend. Sondern klar und gleichzeitig weich.
Spannenderweise ist mein Krafttier in diesem Jahr der Hirsch. Er steht für Führung - auch für innere Führung. Wie passend.
⚙️ Wie das innere Team zur Ressource wird
Was mein inneres Team wirklich gebraucht hat, war zunächst überraschend einfach:
🌿 Klarheit statt Dauer-Konflikt
Nicht alles gleichzeitig. Sondern bewusste Räume.
Zum Beispiel:
Vormittag: Raum für die Karrierefrau
Nachmittag: Raum für Muttersein
Bei Krankheit, geht mein Kind vor.
Nicht alles gleichzeitig. Sondern bewusst getrennt.
🌿 Jede Stimme darf da sein und hat eine wichtige Funktion
Während ich zu Beginn einige der inneren Anteile sehr negativ bewertet habe, hat sich das im Laufe des Prozesses verändert. Wichtig war nur, den einzelnen Teammitgliedern Grenzen zu setzen, leisere Teammitglieder zu Wort kommen zu lassen und rote Linien zu vereinbaren.
🌿 Freude und Vertrauen einladen
Nicht alles entsteht aus Disziplin. Manches entsteht aus Leichtigkeit. Es gibt die sogenannten "freien Kinder", die lebendige, ressourcenstarke innere Anteile sind. Diese haben bei mir wenig Raum bekommen, dabei leisten sie besonders viel dafür, dass wir uns lebendig fühlen.
Und was hat sich dadurch verändert
Ich bin nicht plötzlich perfekt organisiert. Nicht immer klar. Nicht immer im Gleichgewicht.
Aber:
👉 Ich erlebe mich weniger als zerrissen.
👉 Sondern als jemand mit vielen klugen inneren Stimmen.
Und ich lerne, ihnen zuzuhören und mich auf ihre Anliegen einzulassen – ohne mich von ihnen steuern zu lassen.
Natürlich ist das erst der Anfang. Es gibt manchmal noch tiefere Schichten, die länger Zeit, Begleitung und viel Achtsamkeit brauchen.
Wenn z.B. wenig Interesse an einem Angebot von mir etwas in mir auslöst, das mit dem Heute und dem Business wenig zu tun hat. Sondern mit dem Gefühl, nicht gewollt zu sein. Zurückgewiesen zu werden.
Da zeigt sich ein kindlicher, verletzter Anteil, der noch Zuwendung und Versorgung braucht. Solche Anteile verstecken sich oft hinter erwachsenen Anteilen oder auch hinter Wächtern, die das Kind beschützen.
Doch alleine zu wissen, dass das nicht ICH bin, sondern nur ein Teil von mir, der noch nicht weiß, dass ich im Heute erwachsen bin und ganz andere Strategien habe, um mit solchen Themen umzugehen, ist schon erleichternd und ein Schritt auf dem Weg zur Heilung.
💛 Vielleicht kennst du das auch…
Wenn du das Gefühl hast,
dich selbst zu blockieren
innerlich hin- und hergerissen zu sein
nie ganz „richtig“ zu handeln
dann liegt es vielleicht nicht daran, dass etwas mit dir nicht stimmt.
Sondern daran, dass viele Teile in dir sprechen – aber noch niemand wirklich moderiert. Oder dein Selbst noch nicht die Führung hat, sondern ein innerer Anteil, der zwar Gutes für dich will, aber den anderen Anteilen gegenüber nicht wertschätzend sein kann, weil er seine Sache durchbringen will.
🌸 Eine kleine Einladung
Vielleicht magst du dich heute fragen (ganz allgemein oder in Bezug auf ein Thema, das dich beschäftig):
👉 Welche Stimmen kenne ich in mir?
👉 Welche bekommen viel Raum – und welche kaum?
👉 Und wer hat in welchen Situationen das Sagen?
Wenn du dein inneres Team näher kennenlernen möchtest, begleite ich dich gerne dabei!
In meiner Arbeit bei Herzsprech schaffen wir gemeinsam einen Raum, in dem alle Anteile gesehen werden dürfen – und du deinem wahren Selbst wieder begegnen kannst.




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