top of page

Neujahrsvorsätze: Warum wir unsere Ernährung ändern wollen – und warum es so schwer ist, dranzubleiben

  • Autorenbild: Barbara Pramböck
    Barbara Pramböck
  • 24. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Am Beginn des Jahres wollen viele neue Gewohnheiten etablieren: Endlich gesünder essen, fitter werden, mehr Energie haben – Ernährung und Bewegung gehören zu den häufigsten Neujahrsvorsätzen. Und doch verpufft die Motivation oft schneller, als wir es uns wünschen. Woran liegt das? Und wie gelingt eine Ernährungsumstellung wirklich nachhaltig – ohne Druck, ohne Perfektionismus und ohne ständiges „Scheitern“-Gefühl?


Dazu habe ich Emina Zelle, Ernährungsberaterin für Erwachsene und Kinder in Wien und Netzwerkpartnerin von Herzsprech, gefragt. In ihrem Beitrag für den Herzsprech-Blog erklärt sie verständlich und alltagstauglich, warum gute Vorsätze so oft kippen, welche typischen Fehler wir vermeiden können – und was es braucht, um Ernährung langfristig gesund und liebevoll in den eigenen Alltag zu integrieren.



Text von Emina Zelle, Ernährungsberaterin für Erwachsene und Kinder in Wien und Netzwerk-Partnerin von Herzsprech


Und jährlich grüßt das Murmeltier

Jedes Jahr im Januar begegne ich den gleichen Sätzen:

„Dieses Jahr will ich mich endlich gesünder ernähren.“

„Ich will abnehmen, fitter werden, mehr Energie haben.“

„Jetzt ziehe ich es wirklich durch.


Und ich verstehe diesen Wunsch sehr gut. Der Jahresanfang fühlt sich wie ein Neuanfang an. Man lässt das Alte hinter sich und ist voller Motivation, endlich etwas zu verändern. Gerade die Ernährung steht dabei ganz oben auf der Liste der Neujahrsvorsätze.

Doch genauso regelmäßig wie diese Vorsätze sehe ich auch die Enttäuschung, die oft schon nach wenigen Wochen folgt. Viele Menschen fragen sich dann: Warum schaffe ich das nicht? Warum fehlt mir die Disziplin?


Die ehrliche Antwort ist: Es liegt nicht an mangelnder Willenskraft.


Warum es so schwer ist, die Ernährung nachhaltig zu verändern

Ernährung ist viel mehr als nur Essen. Sie ist Gewohnheit, Emotion, Kultur und Alltag. Wir essen nicht nur, wenn wir Hunger haben – wir essen aus Stress, aus Langeweile, zur Belohnung oder aus sozialen Gründen. Diese Muster haben sich über Jahre aufgebaut und lassen sich nicht einfach „abschalten“.

Ernährung ist viel mehr als nur Essen.

Ein weiterer Grund, warum Neujahrsvorsätze scheitern, sind die Erwartungen, die wir an uns selbst stellen. Viele wollen von heute auf morgen alles ändern: kein Zucker mehr, keine Snacks, nur noch frisch kochen, jeden Tag perfekt essen. Das klingt motiviert, ist aber im Alltag kaum durchzuhalten.


Unser Körper und unser Gehirn lieben Routinen. Sie geben Sicherheit. Jede Veränderung bedeutet erst einmal Stress – und genau deshalb greifen wir in schwierigen Momenten wieder zu alten Gewohnheiten.


Was ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte

Als Ernährungsberaterin sehe ich häufig, dass Menschen sehr streng mit sich selbst sind. Sie glauben, sie müssten alles richtig machen, sonst hat es keinen Sinn. Dieses Alles-oder-nichts-Denken ist einer der größten Gründe, warum Ernährungsumstellungen scheitern.

Nachhaltige Ernährung hat nichts mit Perfektion zu tun.

Ein Stück Schokolade wird dann gleich als „Rückfall“ bewertet. Ein stressiger Tag, an dem nicht gekocht wird, fühlt sich wie Versagen an. Dabei ist genau diese Härte sich selbst gegenüber das eigentliche Problem. Denn nachhaltige Ernährung hat nichts mit Perfektion zu tun.


Wie eine nachhaltige Ernährungsumstellung wirklich gelingt


Der wichtigste Schritt ist, den Druck herauszunehmen.

Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Verbote, sondern durch Verständnis. Kleine Schritte sind wirkungsvoller als große Pläne.


Anstatt deine komplette Ernährung umzukrempeln, frage dich:

  • Was ist eine Sache, die ich verbessern kann?

  • Was passt realistisch in meinen Alltag?


Vielleicht ist es ein regelmäßiges Frühstück. Vielleicht mehr Gemüse beim Mittagessen oder genug zu trinken. Diese kleinen Veränderungen summieren sich – und sie fühlen sich machbar an.


Verbote führen selten zum Ziel.

Je strenger die Regeln, desto größer oft der Heißhunger. Essen darf Genuss sein. Eine ausgewogene Ernährung lässt Platz für Lieblingslebensmittel, ohne Schuldgefühle.


Höre mehr auf deinen Körper.

Statt Kalorien zu zählen oder ständig zu kontrollieren, lohnt es sich, wieder ein Gefühl für Hunger und Sättigung zu entwickeln. Oft essen wir nicht, weil wir Hunger haben, sondern weil wir müde, gestresst oder emotional belastet sind. Dieses Bewusstsein ist ein wichtiger Schlüssel für Veränderung.


Warum eine Ernährungsberatung für eine nachhaltige Ernährungsumstellung sinnvoll ist

Eine nachhaltige Veränderung der Ernährungsgewohnheiten stellt für viele Menschen eine große Herausforderung dar. Obwohl grundlegendes Ernährungswissen häufig vorhanden ist, scheitert die langfristige Umsetzung im Alltag. Ursache hierfür sind komplexe Zusammenhänge zwischen Verhalten, Gewohnheiten, psychosozialen Faktoren und individuellen Lebensbedingungen.


Eine qualifizierte Ernährungsberatung setzt genau an diesen Punkten an. Im Mittelpunkt steht eine individuelle Analyse der bestehenden Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sowie die Entwicklung praxisnaher, alltagstauglicher Strategien. Ziel ist es, realistische und langfristig umsetzbare Veränderungen zu erarbeiten, anstatt kurzfristige Diätansätze zu verfolgen.


Die kontinuierliche Begleitung ermöglicht zudem eine strukturierte Vorgehensweise, fördert die Selbstreflexion und unterstützt den konstruktiven Umgang mit Herausforderungen und Rückschlägen. Dadurch wird das Risiko von Abbruch oder Rückfall deutlich reduziert.


Insgesamt trägt eine professionelle Ernährungsberatung dazu bei, ein stabiles und gesundheitsförderndes Ernährungsverhalten zu entwickeln, das flexibel an unterschiedliche Lebenssituationen angepasst werden kann und langfristig Bestand hat.


Der beste Weg ist individuell – nicht perfekt

Es gibt keine Ernährung, die für alle gleich funktioniert. Nachhaltig ist nur das, was zu deinem Leben passt. Zu deinem Alltag, deinem Job, deiner Familie und deinen Vorlieben.

Und ja, es wird Tage geben, an denen es nicht so läuft wie geplant. Das ist normal. Rückschritte gehören dazu und bedeuten nicht, dass man gescheitert ist. Sie sind Teil des Prozesses.

Rückschritte gehören zum Prozess dazu.

Die häufigsten Fehler, die ich sehe:

  • zu hohe Erwartungen an sich selbst

  • radikale Diäten statt langfristiger Strategien

  • zu wenig Essen und daraus resultierender Heißhunger

  • fehlende Planung im stressigen Alltag

  • der Vergleich mit anderen


Wer diese Fehler kennt, kann lernen, anders damit umzugehen – mit mehr Geduld und Selbstmitgefühl.


Mein Fazit

Neujahrsvorsätze sind kein schlechter Startpunkt. Aber echte Veränderung beginnt nicht am 1. Januar, sondern mit einer ehrlichen und realistischen Entscheidung für sich selbst.

  • Nicht perfekt, sondern nachhaltig.

  • Nicht streng, sondern verständnisvoll.

  • Nicht kurzfristig, sondern langfristig.


Eine gesunde Ernährung soll dein Leben unterstützen – nicht zusätzlich belasten.


Mariahilferstraße 179

1150 Wien

und

Testarellogasse 16/12

1130 Wien


 
 
 

Kommentare


bottom of page