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Weihnachten in Trennung: Wie Familien trotz Krise Halt finden können

  • Autorenbild: Barbara Pramböck
    Barbara Pramböck
  • 19. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Weihnachten gilt als Fest der Nähe, der Familie und der Harmonie. Für viele Eltern ist es aber genau das Gegenteil: eine Zeit voller Erwartungen, ungelöster Konflikte und innerer Anspannung. Wenn es in der Partnerschaft kriselt, wenn eine Trennung bevorsteht oder bereits vollzogen ist, werden die Feiertage oft zur emotionalen Zerreißprobe – für Erwachsene genauso wie für Kinder.



Gerade in solchen Übergangszeiten zeigt sich, wie sehr alte Rollenbilder, familiäre Prägungen und unausgesprochene Verletzungen wirken. Die Frage ist dann nicht mehr, wie Weihnachten „richtig“ gefeiert wird, sondern: Wie kommen wir möglichst achtsam, klar und konfliktarm durch diese Tage? Und was brauchen Kinder wirklich, wenn ihre Eltern sich trennen oder in dauerhaften Spannungen leben?


Antworten darauf gibt es nicht in einfachen Rezepten – aber in Haltung, Klarheit und bewussten Entscheidungen.


Eine Kollegin, die sich intensiv mit diesen Fragen beschäftigt, ist Daniela Davidovits. Sie ist psychosoziale Beraterin und begleitet Eltern in Trennungs- und Scheidungssituationen ebenso wie Paare, die sich mitten in einer schweren Beziehungskrise befinden.


In ihrem neuen Buch „Scheidung, aber richtig – 100 Fragen, die Sie bei einer Trennung beschäftigen“, zu dem ich auch etwas beitragen durfte, hat sie zentrale Themen gesammelt, die Eltern in dieser Lebensphase bewegen: von emotionalen Stolpersteinen über rechtliche Unsicherheiten bis hin zu ganz praktischen Alltagsfragen. Ihr Anliegen ist es, Orientierung zu geben, Klarheit zu schaffen – und dabei zu helfen, einen Rosenkrieg möglichst zu vermeiden. Gerade in emotional aufgeladenen Zeiten wie den Weihnachtsfeiertagen.


Nach unserem Autorinnengespräch bei meiner Praxiseröffnung im November, freue ich mich sehr, dass Daniela ihre Gedanken und Impulse nun auch hier teilt und sich mit den Antworten zu folgenden Fragen direkt an meine Leser:innen wendet:

  • warum Weihnachten bestehende Konflikte oft zuspitzt,

  • wie Eltern bewusst mit Erwartungen, Streit und Enttäuschung umgehen können,

  • und was Kindern in Trennungs- und Krisensituationen wirklich hilft – auch (und gerade) zu Weihnachten.


Wie kommt man durch die Weihnachtsfeiertage, wenn es in der Beziehung schon kriselt?


Gerade zu Weihnachten sind die Erwartungen hoch – an Nähe, Harmonie und gemeinsame Familien-Zeit. Wenn es in der Partnerschaft ohnehin angespannt ist, werden diese Erwartungen besonders leicht enttäuscht. Nicht jedes Thema muss jetzt geklärt werden. Man darf sich bewusst entscheiden, welchen Konflikt man annimmt – und welche man ruhen lässt. Manchmal hilft der innere Satz: Ich lasse das jetzt einfach so stehen und löse es später.

Man darf sich bewusst entscheiden, welchen Konflikt man annimmt.

Größere Familienfeiern können die Situation zusätzlich verschärfen. Überlegen Sie im Vorfeld, was beim letzten Mal besonders belastend war: Kritik der Eltern oder Schwiegereltern, Konkurrenz unter erwachsenen Geschwistern oder das Verhalten der eigenen Kinder. Sprechen Sie das vorher an – mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin und auch mit den Kindern. Formulieren Sie klar, was Sie brauchen: Ich wünsche mir von dir, dass du … Verbunden mit einem gemeinsamen Ziel: möglichst ohne Konflikte durch diese Feier zu kommen.

Formulieren Sie klar, was Sie brauchen: Ich wünsche mir von dir, dass du...

Wenn die Stimmung besonders explosiv ist, darf auch Distanz ein Schutz sein. Schauen Sie, wer in der Familie ein guter Puffer sein kann – jemand, der Gespräche umlenkt, dazwischengeht oder Nähe verhindert. Manchmal ist es hilfreicher, die Feiertage mehr nebeneinander als miteinander zu verbringen. Suchen Sie sich einen Ruhepol und halten Sie sich an dieses Familienmitlied. Vielleicht gibt es auch eine eingeweihte Person, die bewusst eine vermittelnde Rolle übernimmt und im Hintergrund für Entspannung sorgt – damit Sie nicht alleine für die Harmonie verantwortlich sind.


Und was ist, wenn man frisch getrennt ist?


Gerade dann werden die Weihnachtsfeiertage oft besonders schwierig, weil man die alten Routinen verliert und Zeit getrennt von den Kindern verbringt. Je mehr verhandelt werden muss, desto größer wird das Konfliktpotenzial. Viel Streit entsteht nicht unbedingt aus Bosheit, sondern aus Ärger, Enttäuschung und dem Gefühl, zu kurz zu kommen. Schnell ist man mitten in einem Machtkampf – bei dem am Ende immer jemand verliert. Besonders zu Weihnachten dreht sich vieles um die Frage: Wer feiert wann, wo und wie mit den Kindern? Und es gibt viele Möglichkeiten, dabei zu streiten – oder sich zumindest sehr über den oder die Ex zu ärgern.

Zu Weihnachten dreht sich viel um die Frage: Wer feiert wann, wo und wie mit den Kindern?

Was helfen kann, ist Klarheit. Auch wenn sie nicht immer leicht fällt. Und dann der Versuch, den Blick zu verändern: weg von dem, was man verpasst, hin zu der Zeit, die man mit den Kindern gemeinsam verbringt. Wenn Sie den Heiligen Abend mit den Kindern verbringen und sie danach zur anderen Familie wechseln, dann feiern Sie diesen Abend – und vielleicht auch den nächsten Morgen – ganz bewusst. Mit alten und neuen Ritualen, Zeit füreinander und vielen gemeinsamen Fotos als Erinnerung.


Wenn Sie die Kinder erst am 25. bekommen, machen Sie genau daraus etwas Besonderes. Beginnen Sie den Feiertag mit etwas Neuem. Kinder brauchen kein perfektes Weihnachtsdrehbuch, sondern Eltern, die sich ihnen widmen und die gemeinsame Zeit wirklich nutzen – statt innerlich wütend auf jemanden anderen zu sein.

Kinder brauchen kein perfektes Weihnachtsdrehbuch, sondern Eltern, die sich ihnen widmen und die gemeinsame Zeit wirklich nutzen - statt innerlich wütend auf jemanden anderen zu sein.

Und auch für die Feiertage ohne Kinder ist es wichtig, gut für sich zu sorgen. Für Kinder ist es sehr schwer, sich vorzustellen, dass ein Elternteil alleine und traurig zu Hause sitzt. Machen Sie deshalb bewusst etwas aus dieser Zeit: Treffen Sie Freunde, feiern Sie mit anderen Eltern, deren Kinder gerade woanders sind, oder tun Sie etwas Sinnvolles – zum Beispiel ehrenamtlich. Wenn Sie Ihre Feiertage gut gestalten, geben Sie Ihren Kindern die Erlaubnis, sie ebenfalls zu genießen.

Wenn Sie Ihre Feiertage gut gestalten, geben Sie Ihren Kindern die Erlaubnis, sie ebenfalls zu genießen.

Die Gelegenheit, Daniela persönlich zu erleben, habt Ihr bei ihrer Buchpräsentation (siehe unten).


Ich danke dir, Daniela, ganz herzlich für deinen wertvollen Beitrag!


Buchpräsentation


Daniela Davidovits stellt ihr neues Buch „Scheidung, aber richtig?“ am 7. Jänner 2026 um 19:00 Uhr bei Thalia Wien (Mariahilfer Straße) vor. Alle Informationen zur Veranstaltung findest du hier:


 
 
 

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